Das erste Glas bildete sich vor über 40 Millionen Jahren durch die ungeheure Hitze und den Druck von Vulkanausbrüchen. Diese in der Natur vorkommende Substanz aus schnell abgekühlter Lava wird als Obsidian bezeichnet. Obsidian ist meist schwarz, aber es kommen auch Grün- und Rottöne vor. Dünne Obsidianteile wirken durchscheinend oder sogar transparent.
Bei dem vom Menschen hergestellten Glas weiss eigentlich niemand so recht, wie, wann oder wo es zum ersten Mal hergestellt wurde, aber im Allgemeinen geht man davon aus, dass es wahrscheinlich durch Zufall entdeckt wurde. Die Rohzutaten von Glas (Sand, Pottasche und Kalk) sind Materialien, die man fast überall antrifft. Heute glaubt man, dass das Erste vom Menschen hergestellte Glas etwa 3500 v. Chr. in Anatolien und Mesopotamien produziert wurde.
Die alten Ägypter stellten grosse Mengen und verschiedene Arten von Perlen her, mit denen sie fast alle Kleidungsstücke schmückten und die sie als Totengaben in die Gräber legten. Viele dieser Perlen bestanden aus Faience, einem keramischen Vorläufer des Glases, der oft zur Nachahmung von Edelsteinen diente. Die frühsten Glasobjekte waren exotische Raritäten, die ausschliesslich Königen vorbehalten waren, aber Glasperlen waren bald für alle, die es sich leisten konnten, kommerziell erhältlich. Neben Perlen produzierten ägyptische Künstler kleine Gefässe, indem sie erhitzte Glasstäbe um vorgeformte Kerne aus Sand oder anderen Materialien wickelten. Wenn sich das Glas noch im geschmolzenen Zustand befand, wurde ein spitzes Werkzeug darüber gezogen, so dass zarte Federmuster entstanden.
Im Europa des Mittelalters wurde die Glasherstellung stark kontrolliert. Wenn man nicht aus einer Glasmacherfamilie stammte, war es schwierig, irgend etwas über dieses Handwerk zu erfahren. Die Geheimnisse der Glasherstellung wurden (und werden) in Venedig, das in der Renaissance zum Zentrum der Glas- und Perlenherstellung für die ganze Welt wurde, eifersüchtig gehütet. Ende des 13. Jahrhunderts verlegten die Venezianer die gesamte Glasherstellung auf die Insel Murano, so dass die Kunsthandwerker dort praktisch völlig isoliert lebten und die Beherrschung dieser Technologie durch die Venezianer sichergestellt war.
Das Geheimnis, von dem die Kunst der Glaserstellung in jener Zeit umgeben war, spiegelte sich in der Tatsache wieder, dass erst zu Beginn des 17. Jahrhunderts Bücher zu diesem Thema veröffentlicht wurden. Antonio Neri, ein Glasmacher aus Florenz, schrieb L'Arte Vetraria (Die Kunst des Glases), das über 200 Jahre lang die Quelle für die Herstellung von feinem Glas war. Es wurde 1612 geschrieben, doch es dauerte weitere 50 Jahre, bevor dieses Buch in der englischen Übersetzung vorlag.